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22
Jun

Drei Stern Rot

Drei Stern Rot

Zu DDR-Zeiten war Drei Stern Rot ein bei den Grenzsoldaten der Nationalen Volksarmee allgemein bekanntes Leuchtsignal. Dabei wurde eine Röhre aus Plastik hochgehalten, die Verschlusskappe herausgerissen und schon zischte die Rakete in die Luft und hinterließ dabei ein leuchtendes, sternförmiges Signal. Je nachdem wie viele Sterne und welche Farbkombination erschienen, hatte das eine besondere Bedeutung für bestimmte Einheiten der Grenzsoldaten. Leuchteten aber Drei Stern(e) Rot auf, dann wusste jeder DDR-Grenzer, dass es galt einen versuchten Grenzdurchbruch zu verhindern. Häufig führte dies über drei Tage und länger dazu, dass alle Truppen in höchste Alarmbereitschaft versetzt wurden.

Und genau an dieser Stelle setzt der Film Drei Stern Rot ein: Versuchter Grenzdurchbruch. Genauer gesagt geht es um einen Filmdreh irgendwo an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze im Winter 2001. Am Set dreht Schauspieler Christian Blank wie es scheint völlig aus der Luft gegriffen durch und attackiert einen Kollegen, der einen Grenzsoldaten darstellt. Es kommt, wie es kommen muss, Blank landet in der Psychiatrie.
Wie nah Wahnsinn und Wirklichkeit tatsächlich beieinanderliegen, wird erst offenkundig, als sich Christian Blank schließlich seiner Ärztin anvertraut und ihr die unglaubliche Geschichte seines Lebens erzählt.

Dabei wird schnell deutlich: Blank ist keinesfalls psychisch krank. Vielmehr hat die Konfrontation mit seiner traumatischen Vergangenheit bei ihm zu einer Übersprungshandlung geführt.
Schon als Kind traf er Jana, die Liebe seines Lebens. Die beiden werden ein Paar und wollen den Faschismus hinter sich lassen. Doch ihre Pläne werden durch Blanks Einberufung zur NVA sabotiert. Als Grenzer wird er ausgerechnet zum Dienst am Todesstreifen eingesetzt und überdies noch von seinem Vorgesetzten, Major Nattenklinger, nach Strich und Faden schikaniert. Am Filmset meinte Blank nun eben diesen Nattenklinger gesehen zu haben, folglich rastete er aus. Der Film zeichnet ein äußerst realistisches Bild vom trostlosen und traumatischen Alltag der ehemaligen Volksarmee und ihrem ‘Frontdienst im Frieden’, der als Synonym stand für die Kluft und anhaltenden Spannungen, die der Eiserne Vorhang zwischen Osten und Westen aufriss.
Drehbuchautor Holger Jancke verarbeitete darüber hinaus eigene Erfahrungen aus seiner Militärzeit in der DDR, sodass die Komödie Drei Stern Rot ein erschreckend realistisches Bild der DDR-Vergangenheit zeichnet. Perspektive, Kameraführung und überragende Schauspieler tragen ihr Übriges dazu bei, um den Spielfilm zu einem knallharten Zeitdokument zu machen, jedoch ohne, dass er dabei das Genre wechselt und ein Dokumentarfilm wird.

Christian Blank muss hart kämpfen, um mit seiner Vergangenheit zurande zu kommen. Und Major Nattenklinger? Der, so meint jedenfalls Blank schließlich zum guten Schluss, ist scheinbar bei der bundesrepublikanischen Polizei gelandet. Eine gelungene Anspielung auf die Schützenhilfe, die Ämter und Würden den Nattenklingers dieser Welt zu allen Zeiten und in allen Regimen immer wieder geleistet haben. Fazit: Absolut sehenswertes Realitätskino erster Güteklasse!